Uwe Hörner, Personalratsvorsitzender Rheinhessen Sparkasse und Vorstandsmitglied von CSD Deutschland e.V. und EPOA.

Bereits 1993 fing mit der „Sommerschwüle“ die queere Bewegung in Mainz an. Ein Sommerfestival, dessen Highlight der CSD mit Demo, Straßenfest und der Afterparty am Abend ist. Die Rheinhessen Sparkasse unterstützt seit vielen Jahren diese Aktionstage, die mit dem Event zusammenhängen und für Vielfalt und Demokratie stehen.

Auch in diesem Jahr findet am 27. Juli die Sommerschwüle wieder in Mainz statt. Der Personalratsvorsitzende der Rheinhessen Sparkasse, Uwe Hörner, ist seit vielen Jahren im Vorstand von CSD Deutschland e.V. tätig. Und darüber hinaus auch als Vorstandsmitglied im europäischen Dachverband EPOA (European Pride Organisers Association) und im internationalen Verband Interpride aktiv.

Welche Aufgaben der Dachverband hat und was Uwe Hörner bewegt hat, sich deutschlandweit zu engagieren, erfahren Sie in dem nachfolgenden Interview, das vom Redaktionsteam Social Media der Rheinhessen Sparkasse mit ihm geführt wurde.

 

Redaktion: Uwe, der Christopher-Street-Day ist mittlerweile in der Bevölkerung bestens bekannt. An diesem Tag wird sowohl für die Rechte von queeren Gruppen, als auch gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Was für eine Aufgabe hat der CSD Deutschland e.V. dabei?

Uwe Hörner: Der CSD Deutschland e.V. versteht sich als Dachverband aller deutschen Christopher Street-Day-organisierenden Vereine, Initiativen und Projekte in Deutschland. Alle Mitglieder zusammen ergeben ein Netzwerk, bei der die Antidiskriminierungsarbeit für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queere (LSBTIQ*) an erster Stelle steht.

 

Redaktion: Wie viele organisierte Gruppen und Vereine hat der CSD Deutschland heute?

Uwe Hörner: Der Dachverband kann mittlerweile 93 Mitgliedervereine verzeichnen. Diese Mitgliedsvereine sind auch sehr aktiv.  Im letzten Jahr fanden unglaublich viele CSD-Aktionen statt. Allein im deutschsprachigen Raum kamen wir auf über 300 CSDs oder CSD-ähnliche Veranstaltungen.

 

Redaktion: Seit wann engagierst Du Dich persönlich bei CSD Deutschland e.V.?

Uwe Hörner: Bereits vor der Gründung von CSD Deutschland habe ich mich für den CSD in kleinen organisierten Teams engagiert. Ursprünglich gab es drei kleine Gruppierungen im Südwesten Deutschlands. Auf meine Initiative hin wurde der CSD Deutschland e.V. im Jahre 2003 gegründet. Meine Aufgabe im Beirat von CSD Deutschland e.V. ist die internationale Vernetzung.

 

Redaktion: Was sind die Aufgaben des Dachverbands?

Uwe Hörner: Im Vordergrund steht natürlich der Erfahrungsaustausch unter den einzelnen Mitgliedervereinen – ein Lernen von und miteinander. Es wird sich über die bundesweiten Aktionen ausgetauscht, man berichtet von der Organisation der einzelnen Veranstaltungen und lernt und profitiert von guten und beispielhaft vorbereiteten Events. Aber eine der wichtigsten Aufgaben ist es jedoch mit unseren Themen auf die Gesellschaft und die Politik einzuwirken – die Akzeptanz und Toleranz für queere Menschen stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen.

 

Redaktion: Was ist Euch dabei besonders wichtig?

Uwe Hörner: Für uns ist es wichtig, dass in unserer Gesellschaft wieder eine Atmosphäre des Respekts geschaffen wird, eine gegenseitige Wertschätzung da ist und eine Akzeptanz von Vielfalt in jeglicher Form geschaffen wird.

 

Redaktion: Welche Erfolge in der Politik hat der CSD in der Vergangenheit erreicht?

Uwe Hörner: Spontan fallen mir da zwei wichtige Entscheidungen ein: Zum einen „Das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“, kurz gesagt, die Ehe für Alle, die seit dem Jahr 2017 in Deutschland offiziell gilt. Übrigens, insgesamt 22 Länder in der EU haben die Ehe für Gleichgeschlechtliche beschlossen, als jüngstes Mitgliedsland  Griechenland.

Die zweite wichtige Änderung, und noch recht aktuell, ist eine Entscheidung der Bundesregierung aus dem Vorjahr: Die Aufhebung des Blutspendeverbots für homosexuelle Männer.

Diese beiden wichtigen Entscheidungen für die Gesellschaft waren ein langjähriges Bestreben der CSD Bewegungen in Deutschland.

 

Redaktion: Uwe, Deine Aufgabe im Beirat von CSD Deutschland ist die internationale Vernetzung. Du bist Bindeglied zwischen dem europäischen Dachverband EPOA und der internationalen Organisation Interpride. Was ist Eure Mission?

Uwe Hörner: Die Welt, die wir uns wünschen ist die, dass alle Menschen angstfrei ihre eigene geschlechtliche und sexuelle Identität leben können. Menschen sollen darauf vertrauen können, dass sie sicher und frei sind von Bedrohungen und Ausgrenzungen. Sie sollen dies offen zeigen, leben und sich entsprechend entwickeln können.

Ein Beispiel dazu: Im arabischen oder muslimischen Kulturkreis ist es auch heute noch nahezu undenkbar sich offen zu einer nicht heterosexuellen Orientierung zu bekennen. In 62 Staaten ist Homosexualität eine Straftat. In zwölf Ländern steht sogar die Todesstrafe darauf.

Die Fixierung der Ehe (und Familie) auf ausschließlich Mann und Frau, per Festlegung in der Verfassung, ist auch ein verstärkter negativer Trend der letzten Jahre. So versucht man Diskriminierung gesetzlich zu legitimieren.

Früher hatte man den Irrglauben, dass es Schwule oder Lesben nur in Großstädten gibt. Heute wissen wir, dass zwischen 4% und 10% der Bevölkerung der queeren Community zugeordnet werden können, also überall, auch auf dem Land. Damit will ich ausdrücken: Die LGBTQ+ Community und ihre dazugehörigen Menschen sind kein städtisches Phänomen, keine Randgruppe. Wir sind Teil der Gesellschaft und wollen auch so behandelt werden.

 

Redaktion: Welche Bemühungen für Veränderungen strebt der CSD Dachverband weiterhin an?

Uwe Hörner: Weitere Ziele sind für uns vor allem die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich….“) um das Merkmal der sexuellen und geschlechtlichen Identität. Auch das volle Recht für homosexuelle Paare auf Zugang zum Adoptionsverfahren, die Reform des Transsexuellengesetzes, die Berücksichtigung und Mitwirkung von queeren Menschen in verschiedenen gesellschaftlich relevanten Gremien und vieles mehr stehen auf unserer Agenda.

 

Redaktion: Zusammenfassend kann man sagen: Der CSD ist ein Instrument der LGBTQ+ Community und ihrer Unterstützer, um sich für Vielfalt einzusetzen: sei es für die Rechte von geschlechtlichen Paaren oder nicht-binären Personen, für eine gelungene Migration, für Menschen mit Handicap und insbesondere für alle in dieser Kombination.

Uwe, wir danken Dir für Deine Einblicke und dieses Gespräch.